Die Rezensionenkataloge des Cäcilien-Vereins

Leiter: Prof. Dr. Christoph Hust, Prof. Dr. Klaus Pietschmann

Die Rezensionenkataloge des Cäcilien-Vereins Leiter: Prof. Dr. Christoph Hust, Prof. Dr. Klaus Pietschmann

Mit mehreren Tausend rezensierten Notenausgaben und Theoretica sind die Vereins-Cataloge des Cäcilien-Vereines für alle Länder deutscher Zunge die umfangreichste Sammlung von Besprechungen zur Kirchenmusik ab 1870. Die Kataloge enthalten Ausführungen sowohl zu neuen Kompositionen als auch zu Editionen älterer Musik. Dabei werten die Rezensenten die Musik stets aus der Sicht des Cäcilianismus. Die Texte reichen von telegrammartigen Stellungnahmen (»Für die Aufnahme!«) bis zu mehrseitigen Essays, die ästhetisch und analytisch erstaunlich in die Tiefe gehen. Untersucht wird nicht nur das Repertoire des Cäcilianismus (Mettenleiter, Piel, Witt usw.), sondern auch Kompositionen, Bearbeitungen oder Editionen von Orlando di Lasso, Liszt, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Reger, Wagner und anderen.

 

Allerdings sind die Kataloge, sortiert nach einem Numerus-currens-Prinzip mit mehreren separaten Indices, schwierig zu benutzen. Nicht nur deswegen, sondern auch wegen ihrer verhältnismäßig schweren Zugänglichkeit in Bibliotheken spielen sie in der Forschung bisher nur eine geringe Rolle. Ziel des Vorhabens ist es, die Kataloge zunächst zu digitalisieren und im nächsten Schritt in eine durchsuchbare Volltext-Datenbank zu überführen. Damit stehen sie künftig für eine genauere Auswertung zur Verfügung.

 

Kontakt:

Eva-Maria Meinhardt (Bearbeiterin)

 

Prof. Dr. Christoph Hust (HMT Leipzig)

Prof. Dr. Klaus Pietschmann (Universität Mainz)

Transkription

Aktuell sind die Nummern 1–80 transkribiert. Stand: 14. Januar 2016.
Nr. 001 bis 080 [2.3MB/pdf]

Downloads

Als Zwischenstand können wir Ihnen an dieser Stelle PDF-Dokumente mit texterfassten Scans der Katalogseiten zum Download anbieten.

Beispielseiten aus den Katalogen:
Liszt, Palestrina, Piel, Wagner u. a.

Fallbeispiel:
Peter Piels Orgeltrios op. 36

1884 veröffentlichte der Bopparder Seminarlehrer Peter Piel zwölf Trios für Orgel op. 36. Piel, Jahrgang 1835, war einer der Protagonisten des Cäcilianismus. Gemeinsam mit seinen Schülern etablierte er am Rhein ein dichtes und zeitweise einflussreiches Netzwerk gleichgesinnter Lehrer und Kirchenmusiker. Piel war in den Vereinskatalogen des Cäcilienvereins in zweifacher Funktion präsent: Er zählte nicht nur zu den am meisten besprochenen Komponisten, sondern war auch ein vielbeschäftigter Rezensent fremder Kompositionen.

 

Piels Trios op. 36 – er ließ ihnen weitere, technisch anspruchsvollere zwölf Trios op. 37 folgen – hatten drei Aufgaben: Erstens sollten sie als Orgelliteratur verwendet werden, zweitens satztechnische Muster bereitstellen und drittens der spieltechnischen Übung dienen. – Sie können sich diese paradigmatischen Beispiele für Orgelmusik des rheinischen Cäcilianismus hier in computergenerierten Aufnahmen anhören.

 

Vorwort des Komponisten

VORBEMERKUNG.

 

Wenn es wahr ist, dass das Trio-Spiel zu den feinern und feinsten Partien des Orgelspiels zählt (eine Ansicht, die gewiss jeder wohlunterrichtete Orgelspieler unterschreiben wird), so ist es gewiss ebenso befremdlich wie bedau­erlich, dass dasselbe verhältnissmässig so wenig cultivirt wird.

 

In den hier vom Unterzeichneten gebotenen Orgel-Trio möchte derselbe strebsamen Orgelschülern und Orgelspielern die Wege zu dem triomässigen Orgelspiel etwas ebnen helfen.

 

Der Reiz des Trio liegt neben der selbständigen Führung der einzelnen Stimmen wohl hauptsächlich in den Klangcombinationen, die durch geschickte Wahl der Register für jede Stimme erzeugt werden und in der da­durch wieder hervorgerufenen ausserordentlichen Klarheit des Stimmengewebes. Da die Klangfärbungen der Zahl und dem Charakter nach für die einzelnen Orgelwerke geradezu unbestimmbar sind, so hat der Verfasser sich jeder Andeutung über die zu wählenden Register enthalten und glaubt bildender zu wirken, wenn er die Wahl der anzu­wendenden klanglichen Färbung dem guten Geschmack einsichtsvoller Orgelspieler anheim gibt.

 

Was die Pedal­applikatur betrifft, so hat der Verfasser geglaubt, allenthalben dem natürlichen Fusssatz den Vorzug geben zu sollen und künstliche Applikaturen nur da zu verzeichnen, wo die natürliche nicht ausreichte. Orgelspieler, die mitbezug hierauf anderer Ansicht sind, werden leicht eine ihrer bisherigen Gewöhnung entsprechende Pedalapplikatur sich zu­recht legen.

 

BOPPARD, 20. Januar 1884.

P. PIEL.

 

Anzeige im Cäcilienvereins-Katalog

815) Piel, Peter, Zwölf Orgeltrio zum Studium und zum kirchlichen Gebrauche. Opus 36 und Opus 37. Düsseldorf 1884. Verlag der L. Schwann’schen Verlagshandlung. Preis 2 ℳ 40 ₰.

 

Rezension im CVK von L. Heinze

»Wenn es wahr ist, dass das Triospiel zu den feinern und feinsten Partien des Orgelspiels zählt, so ist es gewiss ebenso befremdlich, dass dasselbe verhältnissmässig so wenig kultivirt wird. – In den hier gebotenen Orgeltrio möchte der Verfasser strebsamen Orgelschülern und Orgelspielern die Wege zu dem triomässigen Orgelspiel etwas ebnen helfen. – Der Reiz des Trio liegt neben der selbständigen Führung der einzelnen Stimmen wohl hauptsächlich in den Klangkombinationen, die durch geschickte Wahl der Register für jede Stimme erzeugt werden und in der dadurch wieder hervorgerufenen ausserordentlichen Klarheit des Stimmengewebes. Da die Klangfärbungen der Zahl und dem Charakter nach für die einzelnen Orgelwerke geradezu unbestimmbar sind, so hat der Verfasser sich jeder Andeutung über die zu wählenden Register enthalten und glaubt bildender zu wirken, wenn er die Wahl der anzuwendenden klanglichen Färbung dem guten Geschmack einsichtvoller Orgelspieler anheim gibt.«

 

Mit diesen Worten führt der Verfasser, einer unserer talentvollsten und bekanntesten Kirchenkomponisten, seine Trio ein. Wir unterschreiben jedes dieser Worte und wünschen den feinen, in den verschiedensten Kunstformen geschriebenen, dabei sehr klang- und wirkungsreichen Compositionen (leicht bis mittelschwer) die weiteste Verbreitung und empfehlen dieselben aufs wärmste. Zöglinge der Seminare und Musikschulen lassen sich an dieser prächtigen, klaren und durchsichtigen Musik neben der Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Hände und Füsse noch viele andere Bildungsmomente erschliessen. – Jedes Heft enthält 12 Trio und es bilden die Nummern in Opus 36 die Vorstufe zu denjenigen in Opus 37. 

 

Rezension im CVK von H. Oberhoffer

Sehr empfehlenswerth nicht nur als Uebungsstoff für angehende Organisten, sondern auch als Muster für Studien im doppelten Contrapunkt und dem Canon. Auch beim Gottesdienste sind diese Trios zu verwerthen. Für die Aufnahme.

 

Rezension im »Gregoriusblatt«

Ein besonderer Reiz liegt im dreistimmigen Satze und ist es sehr auffallend, dass derselbe nicht mehr im Orgelspiel Anwendung findet. Daher war es ein glücklicher Gedanke, Orgel-Trios zu schaffen, welche zugleich als Übungsstücke und als Postludien nach dem kirchlichen Gottesdienste Anwendung finden können. Die bekannte Meisterschaft des Komponisten in kunstgerechter und gefälliger Schreibart feiert hier einen glänzenden Triumph und möchten wir daher diese Orgel-Trios in den Händen aller Organisten sehen, zumal der Fingersatz und die Pedal-Applikatur gewissenhaft beigefügt sind.

 

Rezension im »Litteraturblatt für katholische Erzieher«

Diese herrlichen dreistimmigen Kompositionen werden allen Organisten lieb und wert sein, da an derlei Werken, welche nicht nur dem praktischen kirchlichen Gebrauche, sondern auch dem theoretischen Studium in ganz vortrefflicher Weise dienen, in der That Mangel herrscht.

 

#1: Moderato

01.mp3 [4.5MB/mp3]

#2: Andante con moto

02.mp3 [3.1MB/mp3]

#3: Andante

03.mp3 [3.9MB/mp3]

#4: Sostenuto

04.mp3 [4.4MB/mp3]

#5: Larghetto

05.mp3 [4.8MB/mp3]

#6: Moderato

06.mp3 [3.4MB/mp3]

#7: Adagio ma non troppo

07.mp3 [5.9MB/mp3]

#8: Andantino

08.mp3 [4.5MB/mp3]

#9: Moderato

09.mp3 [3.8MB/mp3]

#10: Andante con moto

09.mp3 [3.8MB/mp3]

#11: Adagio

11.mp3 [5.3MB/mp3]

#12: Andante

12.mp3 [4.2MB/mp3]

Quellen zu Peter Piel

Kantate […] mit Deklamation
Kantate […] mit Deklamation
Orgelbegleitung zum Ordinarium Missæ
Orgelbegleitung zum Ordinarium Missæ
Orgelbegleitung zum Ordinarium Missæ
Orgelbegleitung zum Ordinarium Missæ
Orgelbegleitung zum Ordinarium Missæ
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August Wiltberger, »Harmonielehre«
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Die Digitalisierung erfolgt in Kooperation mit der Abteilung Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Die Digitalisierung erfolgt in Kooperation mit der Abteilung Musikwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Zentrum für Musikwissenschaft

Zum WS 2016/17 haben die Universität Leipzig und die HMT ein gemeinsames Zentrum für Musikwissenschaft gegründet. Die Institute für Musikwissenschaft beider Häuser arbeiten in diesem Zentrum zusammen.
Das Projekt wird finanziell vom Allgemeinen Cäcilien-Verband für Deutschland gefördert.

Das Projekt wird finanziell vom Allgemeinen Cäcilien-Verband für Deutschland gefördert.

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