Wie schreibe ich eine Hausarbeit?

Diese Hinweise gelten, so lange in der Lehrveranstaltung keine anderen Anforderungen genannt wurden. Bitte lesen Sie die Hinweise genau durch und halten Sie sich daran. Fragen besprechen Sie bitte mit Ihrer Dozentin / Ihrem Dozenten.

 

Allgemeines

  • Sie sollen mit Ihrer Seminararbeit zeigen, dass Sie sachlich richtig und methodisch angemessen mit einer Fragestellung aus dem Gebiet des Seminars umgehen und sie zielgerichtet diskutieren können. In der Regel wird diese Fragestellung mit dem Thema Ihres Referates zusammenhängen. Die Entwicklung der Fragestellung ist eine Ihrer wichtigsten Aufgaben im Schreibpro­zess. Interessante Antworten gibt es nur auf interessante Fragen!

  • Diskutieren Sie die Fragestellung gründlich. Reine ›Nacherzählungen‹ (Entstehungsgeschichten, Quellenüberlieferung) sind nicht gewollt. Dass Sie sich faktisch mit Ihrem Thema auskennen, wird voraus­gesetzt – Sie sollen nicht neu zusammenfassen, was ohnehin überall steht.

  • Formulieren Sie Ihre These (oder ›Fragestellung‹ oder ›Erkenntnisinteresse‹) am Beginn der Arbeit. Überlegen Sie beim Schreiben immer, was zur Diskussion dieser These dient und was nicht.

  • Verzichten Sie auf Seitenfüller. Biografien von Komponisten und Anekdoten, Entstehungs­geschichten und Handlungszusammenfassungen haben nichts in einer Seminararbeit zu suchen. Wenn Sie das doch begründet vorhaben, halten Sie unbedingt mit Ihrer Dozentin / Ihrem Dozenten Rücksprache.

  • Eine typische Seminararbeit umfasst im Bachelorstudium zwischen 8 und 10 Seiten Text (ohne Deckblatt, Inhaltsverzeichnis und Anhang). Eine Hauptseminararbeit hat ungefähr den doppelten Umfang. Ausnahmen sind immer möglich!

Gliederung

  • Grundsätzlich besteht eine Arbeit aus der Einleitung, dem Hauptteil (mit mehreren Kapiteln), dem Schluss und einem Anhang. Die Einleitung gibt Auskunft über Ihr Erkenntnisinteresse, die Methodik und den Forschungsstand, auf dem Sie aufbauen. Sie ist kein in Sätzen umformuliertes Inhaltsverzeichnis. Persönliche Bemerkungen (»ich widme diese Arbeit meiner Oma«, »Machauts Musik hat mich schon in der Wiege zu Tränen gerührt«) gehören allenfalls in ein separates und unpaginiertes Vorwort.
          
  • Die Einleitung hat folgende unverzichtbare Bestandteile: 
    • kurze Hinführung und Formulierung der These oder Fragestellung,
    • Überlegungen zur Methodik,
    • Abriss zu den verwendeten Quellen,
    • kurzer Forschungsbericht (zum aktuellen Forschungsstand und bisherigen Forschungslücken).   
  • Als Leserin oder Leser möchte man nach der Einleitung wissen, ob und warum sich das Weiterlesen eigentlich lohnt.

  • Der Hauptteil diskutiert die eingangs formulierte These. Dafür schreiben Sie mehrere (in der Regel drei bis fünf) Kapitel, die sich sinnvoll gegliedert mit den einzelnen Teilbereichen auseinandersetzen. Der Hauptteil wird nicht mit »Haupt­teil« überschrieben! Insgesamt ist dieser Abschnitt nicht standardisiert, sondern richtet sich nach den spezifischen Erfordernissen der jeweiligen Arbeit.
          
  • Der Schluss formuliert Ihr Ergebnis. Insofern korrespondiert er mit der Einleitung: Wer nur Einleitung und Schluss liest, kennt Ziele, Methoden und Resultate Ihrer Arbeit, aber nicht die einzelnen argumentativen Schritte. Sie können in einem Ausblick offene Fragen und weitere Perspektiven nennen.

  • Der Anhang bringt gegebenenfalls längere Quellenzitate, Abbildungen und Notenbeispiele. Auf jeden Fall steht hier das Verzeichnis der Quellen und der Literatur. Bitte trennen Sie dieses Verzeichnis entsprechend: also in »Quellen« (das, worüber Sie schreiben) und »Literatur« (das, was darüber schon geschrieben wurde). Auf der letzten Seite folgt die Versicherung, dass Sie die Arbeit selbst angefertigt und alle Übernahmen fremder Gedanken gekennzeichnet haben.

  • An den Anfang setzen Sie ein Deckblatt und ein Inhaltsverzeichnis (beides ohne Seitenzahlen). Auf dem Deckblatt stehen Ihr Name, Studiengang und Fachsemester, der Titel der Arbeit und Informationen über das Seminar, in dem Sie sie schreiben. Das Inhaltsverzeichnis informiert schematisch über die Anlage der Arbeit und listet alle Kapitel und Unterkapitel mit Seitenangaben auf.
          
  • Die Seitenzählung beginnt mit der ersten Seite der Einleitung als S. 1.

Literatur

  • Suchen Sie Literatur mit der Literaturdatenbank RILM (nur im Hochschulnetz erreichbar) oder über die Bibliographie des Musikschrifttums, nicht per Google. Haben Sie keine Scheu: RILM ist einfach zu benutzen.

  • Suchen und lesen Sie neue Literatur. Ihre Arbeit muss auf dem aktuellen Forschungsstand aufbauen, nicht auf dem der 1980er Jahre! Stellen Sie sich darauf ein, dass in der Musikwissenschaft sehr viel auf Englisch publiziert wird. Auch sol­che Titel müssen Sie kennen.

  • Normalerweise werden Sie mindestens fünf Literaturtitel auswerten. Bauen Sie keine Arbeit nur auf Lexikonartikeln auf.

  • Suchen Sie den Ort, an dem ein Gedanke erstmals formuliert war. Zufallsfunde im Internet sind in aller Regel nicht dieser Ort und daher nicht zitierbar.

  • Wikipedia ist unstrittig bequem, scheidet im Sinne des letzten Satzes aber als Literatur aus. Sie können aber von Wikipedia ausgehend die Titel suchen, die Sie dann benutzen.

  • Als Internet-Literatur bleiben damit wissenschaftliche Online-Veröffentlichun­gen, so wie Sie sonst auch nur wissenschaftliche Print-Literatur verwenden.

Umgang mit Zitaten

  • Zitate werden so wiedergegeben, wie sie in der Vorlage stehen. Änderungen weisen Sie […] in eckigen Klammer[n] nach, offenkundige Schreibfehler mit einemm »[sic]«. (Übliche alte Schreibungen in Quellen mit »[sic]« zu markieren sollten Sie ohnstrittig und thätlichst unterlassen.)
          
  • Suchen Sie auch bei Quellenzitaten die ursprüngliche Quelle. Zitieren Sie nicht nach der Literatur (»Beethoven, zit. nach Kerman«), sondern – auch, wenn das ein bisschen mehr Mühe macht – aus den originalen Zusammenhängen: seien das Bücher, Zeitschriften oder wissenschaft­liche Dokumenten-/Briefaus­gaben.

  • Was Sie nicht selbst gedacht haben, müssen Sie nachweisen: egal, ob es sinngemäße oder wörtliche Übernahmen sind. Sie setzen an den Schluss des Satzes eine Fußnote mit einem genauen Verweis auf den Fundort der entsprechenden Quelle oder Literatur.

  • Zitate ersetzen kein eigenes Denken, sondern sollen dies anregen. Folglich muss jedes Zitat kommentiert und eingeordnet werden. Bedenken Sie, dass jeder Gedanke von den Umständen seiner Entstehung geprägt ist. »Das steht bei Dahlhaus« ist also kein Argument. Bleiben Sie kritisch – unkommentierte Zitate sind in aller Regel bloße Faulheit!

  • Wenn Sie fremde Gedanken oder Textpassagen ohne explizite Kennzeichnung übernehmen, ist das ein Plagiat. Wenn Sie entdeckt werden, können die Sanktionen vom Nichtbestehen des Seminars bis zur Exmatrikulation reichen. Probieren Sie es gar nicht erst – Ihre Dozenten werden die Vorlage leichter finden, als Sie hoffen.

  • Es gibt viele gängige Zitierformate. Welches auch immer Sie wählen: Setzen Sie es richtig und einheitlich ein! Im Zweifel orientieren Sie sich schon in den Seminararbeiten an den "Empfehlungen für die Zitierweise für das Quellen- und Literaturverzeichnis" im Anhang der "Richtlinie für die Erstellung von wissenschaftlichen Abschlussarbeiten" der HMT Leipzig.

Sprache

  • Schreiben Sie zusammenhängende Sätze. Stichworte => geht nicht

  • Abkrzngn. [Abkürzungen] verwenden Sie bitte sparsam.

  • Bleiben Sie sachlich – auch, wenn Ihnen etwas gefällt. Wählen Sie eine adäquate Sprachebene – auch, wenn Sie im Alltag anders sprechen. »Des Meisters geniales Werk«, »Mendelssohns krass coole Ouvertüre«: Alles das geht nicht. Ungelogen!

  • Benutzen Sie Fachtermini. Beethovens Sinfonien haben keine vier Lieder und Schuberts Winterreise hat keine Tracks.

  • Was gedanklich zusammengehört, bildet einen Absatz. Wenn Sie nach jedem Satz einen neuen Absatz beginnen, stimmt die Logik der Argumentation nicht.
  • Grundsätzlich werden Arbeiten auf Deutsch geschrieben. Wenn Sie eine Arbeit ausnahmsweise in englischer Sprache schreiben möchten, fragen Sie vorher Ihre_n Dozent_in, ob Sie das dürfen.
  • Valsche Otogravieh fürt zru gantz massiewen Appwehrtung oda, sogar Nicht An­nname. Thiss apply’s too papres in Englisch, to. Lassen Sie Ihre Arbeit vor der Abgabe Korrektur lesen.

Layout, Abbildungen und Notenbeispiele

  • Ihre Arbeit soll nicht schön, sondern interessant sein. Verschwenden Sie keine Zeit in ein schickes Layout, sondern investieren Sie sie in den Inhalt.
          
  • Praktikable Einstellungen sind beispielsweise: Seitenränder: 3 cm, Schriftart: Times New Roman oder Gara­mond oder Constantia, Schriftgröße: 12 pt im Text, 10 pt in den Fußnoten, Zeilen­abstand: 1,5-zeilig. Es ist übrigens ein Denkfehler, dass 16-Punkt-Schriftgrößen über mangelnden Inhalt hinwegtäuschen.

  • Großformatige Abbildungen und Notenbeispiele, die über eine Seite gehen, setzen Sie separat in den Anhang.

  • Was in Ihrer Arbeit steht, muss sinnvoll zur Diskussion der Fragestellung beitragen. Das gilt auch für Abbildungen und Notenbeispiele. Es wird selten vorkommen, dass die Wiedergabe eines Komponistenporträts sinnvoll eine Fragestellung diskutiert – verzichten Sie auf solche Lückenfüller. Kurze Notenbeispiele oder Bildmaterial, auf die Sie im Text explizit eingehen, sind aber erwünscht.

Abgabe

  • Bitte beachten Sie die Abgabefrist, die Ihre Dozentin / Ihr Dozent Ihnen genannt hat.
          
  • Geben Sie die Arbeit ausgedruckt und geheftet ab. Einige Lehrende werden Sie zusätzlich um eine Datei zur elektronischen Plagiatskontrolle bitten.

  • Offensichtlich mangelhafte Seminararbeiten erhalten Sie ein Mal zur Verbesserung zurück.

 

Aber zuletzt und nach allen Vorschriften: Das Schreiben einer Seminararbeit ist eine kreative Tätigkeit und macht Spaß. Immerhin können Sie sich nach inhaltlich eigenem Gutdünken mit einer selbst gewählten Fragestellung beschäftigen. Wenn das langweilig wird, sollten Sie dringend die Fragestellung überdenken; Ihre Dozentin / Ihr Dozent fände die Lektüre sonst sicher mindestens genauso langweilig. – Daher nun also viel Vergnügen dabei!

 

Literatur zur formalen Anlage einer Arbeit

  • Eco, Umberto: Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt. Doktor-, Diplom- und Magisterarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Heidelberg: Müller 92002.

  • Schwindt-Gross, Nicole: Musikwissenschaftliches Arbeiten. Hilfsmittel, Techniken, Aufgaben. Kassel u. a.: Bärenreiter 72010.

Zentrum für Musikwissenschaft

Zum WS 2016/17 haben die Universität Leipzig und die HMT ein gemeinsames Zentrum für Musikwissenschaft gegründet.

Die Institute für Musikwissenschaft beider Häuser arbeiten in diesem Zentrum zusammen.

Leitfaden

Kontakt & mehr

Noch Fragen? Dann kontaktieren Sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter per Mail:

musikwissenschaft@hmt-leipzig.de