Improvisation

Eine Definition

  • im allgemeinen Sprachgebrauch unvermutetes, unvorbereitetes, im lat. Wortsinne unvorhergesehenes Handeln; genauer:eine Handlung die in wesentlichen Aspekten als unvorhergesehen erscheint
  • im engeren Wortsinn „unvorhergesehen“ in Bezug auf sichtbare oder an Vorerwartungen meßbare Handlungen; im musikalischen Zusammenhang auf das Fehlen einer schriftlichen Vorlage wie sie in der abendländischen Musik als Substrat der Komposition vorausgesetzt wird.
  • Musikalische Improvisation im engeren Sinne unterscheidet sich von traditionell fixierter Komposition dadurch, daß mindestens ein primärer Parameter od. Zeitordnung nicht exakt vorhersehbar ist.
  • Komposition/Improvisation: Eine Notation kann das Hörprotokoll einer Improvisation sein; andererseits kann eine vorausgehende Notation Improvisation bei der Aufführung zulassen, wenn auf Grund des Notentextes nicht vorhersehbare Abweichungen von selbigem erlaubt sind.
  • im weiteren Sinn bezieht sich der Begriff der Improvisation auf die
    Unerwartetheit oder Unerwartbarkeit von Ereignissen.

Improvisation in Sachsen

Die Improvisation hat weltweite Wurzeln, und das nicht nur in der Musik, sondern auf allen Gebieten der Kunst. Wenn wir die Wurzeln nur auf Sachsen beschränken, müssen wir zunächst einmal Jaques Dalcroze nennen, der vor knapp hundert Jahren in Hellerau erste Versuche unternommen hat, Musik, Tanz und Improvisation zusammenzubringen. Auf alle Fälle wären die Vertreter des modernen Tanzes, Mary Wigman und Gret Palucca, zu nennen, deren Kunst ohne Improvisation undenkbar wäre. Durch beide bestand eine direkte Verbindung zu Malern und Künstlern des Bauhauses, die sich sehr mit Improvisation beschäftigten und Improvisation als unmittelbare künstlerische Ausdruckform verstanden haben.

 

Improvisation in Leipzig

Seit 1991 besteht an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig die Arbeitsgruppe Improvisation (jetzt: Fachgebiet Improvisation), welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, Traditionen der Improvisation, wie Emil Jaques Dalcroze in Hellerau, Mary Wigman und Gret Palucca in Dresden, oder Günter Ramin und Robert Köbler in Leipzig, aufzugreifen und weiterzuentwickeln, mit dem Anspruch, Improvisation als eine eigenständige Kunstform zu verstehen. Außerdem versuchen wir, uns mit Improvisation zeitgemäß in der Musik zu bewegen, zeitgemäß Musik zu erfinden, zu spielen und zu hören. In Leipzig ist es möglich, Improvisation in verschiedenen Formen zu studieren, sei es als Zusatzstudium, in Verbindung mit einer Diplommusiklehrerausbildung oder als 2. Hauptfach. Weiterhin gibt es mehrere Improvisationsgruppen, die einmal wöchentlich allen Interessierten offenstehen. Vielfältig sind die Beziehungen zum Tanz: Neben Konzerten und Kursen gibt es den Studiengang Ballettkorrepetition, in dem Tanzimprovisation ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung ist. Der Leipziger Improvisationswettbewerb will den Aktivitäten auf dem Gebiet der Improvisation auf neue Weise Ausdruck verleihen.

Fachgebietsleiter

Tilo Augsten

augton@web.de
Improvisation

Improvisation

als Spiel mit Musik

zur Besinnung auf Ursprünglichkeit


zur Befreiung von fixierten Vorgaben
(vom Denken in und Handeln nach Noten)

zur Sensibilisierung für künstlerische Prozesse

um durch Begrenzungen kreativ zu werden

im Sinne kollektiven Empfindens und Erfindens

zur Ermunterung im schöpferischen Umgang
mit sich selbst und anderen