HMT Leipzig

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HSO-Konzert im Gewandhaus

Dienstag, 3.11.2026, 19.30 Uhr, Gewandhaus, Augustusplatz 8, Großer Saal
Konzert im Gedenken an Felix Mendelssohn Bartholdy
im Rahmen der Mendelssohn-Festtage des Gewandhauses: Fokus „Tacheles“ – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 und des Hochschuljubiläums „100 Jahre Kirchenmusikalisches Institut“ 

Hochschulsinfonieorchester
GewandhausKinderchor (Einstudierung: Frank-Steffen Elster)
Alexis Grizard (Foto oben), Aleksanteri Wallius (Foto unten) – Orgel
Leitung: Prof. Matthias Foremny 

Programm:
Franz Liszt (1811-1886): Sinfonische Dichtung „Les Préludes“
Walter Braunfels (1882-1954): Konzert für Orgel, Knabenchor und Orchester op. 38 (1927/28)
Samuel Barber (1910-1981): Toccata Festiva op. 36 für Orgel und Orchester (1960)
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847): Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 105 (MWV N 15) „Reformationssinfonie“ (Fassung: Christopher Hogwood)

Im Gedenken an den Todestag von Hochschulgründer Felix Mendelssohn Bartholdy am 4. November 1847 gastiert das Sinfonieorchester der HMT jährlich im Gewandhaus – 2026 im Rahmen von dessen Mendelssohn-Festtagen. Passend dazu erklingt ein Werk des Komponisten – seine Reformationssinfonie. Parallel feiert die HMT „100 Jahre Kirchenmusikalisches Institut“, weshalb auch zwei Werke für Orgel und Orchester auf dem Programm stehen.

„Les Préludes“ schrieb Franz Liszt zwischen 1848 und 1854, und es ist sein bekanntestes Werk innerhalb der Gattung „Sinfonische Dichtung“, die er maßgeblich begründete. Zunächst sollte die Komposition einen Chorzyklus nach Gedichten von Joseph Autran einleiten, den Liszt jedoch nie vollendete. Später verband er seine Musik mit der Dichtung „Les Préludes“ von Alphonse de Lamartine. Wie Liszt über der Partitur notierte, sah er „unser Leben als eine Reihenfolge von Präludien“ (Préludes) an bis „zu jenem unbekannten Gesang, dessen erste und feierliche Note der Tod anstimmt“. Durch alle vier Teile zieht sich ein kurzes dreitöniges Motiv, das vielfältig variiert wird. Das Werk wurde 1854 unter der Leitung des Komponisten in Weimar uraufgeführt, aber später in der NS-Zeit auch ideologisiert: Das fanfarenartige Triumphthema diente während des 2. Weltkriegs als Erkennungsmelodie für Rundfunk-Sondermeldungen der Wehrmacht. Ab den 1950er Jahren fand „Les Préludes“ wieder Eingang in die Konzertprogramme.

Das Konzert für Orgel, Knabenchor und Orchester op. 38 entstand in den Jahren 1927/28 und gilt als Hauptwerk von Walter Braunfels. Uraufgeführt wurde es im Leipziger Gewandhaus unter der Leitung von Gewandhauskapellmeister Wilhelm Furtwängler. Den Orgelpart übernahm der Widmungsträger des Werks: Thomaskantor Günther Ramin. 
Das Konzert besteht aus drei Sätzen. Der Chor ist im zentralen zweiten Satz (Choral plus Interludium) und im sich nahtlos anschließenden Finalsatz (Doppelfuge über„Zion hört die Wächter singen“) zu hören. Diesen Choral verwendete auch Bach in seiner 140. Kantate. 
Da Walter Braunfels als „Halbjude“ in der NS-Zeit ein Aufführungsverbot erhielt, wurden seine Werke ab 1933 von den Spielplänen entfernt. Auch sein Amt als Rektor der Musikhochschule Köln musste er aufgeben. Sein Schaffen geriet bis zu den 1990er Jahren in Vergessenheit. Das Orgelkonzert wurde erst mit einer Einspielung von 2012 wiederentdeckt.

Das zweite Orgelwerk dieses Abends stammt von dem US-Amerikaner Samuel Barber, der vor allem für sein „Adagio for Strings“ bekannt ist. Die „Toccata Festiva“ schrieb er 1960 als Auftragskomposition zur Einweihung einer neuen großen Orgel des Curtis Institute of Music in Philadelphia, wo Barber einst selbst lernte. In diesem Werk wechseln sich virtuose Passagen mit ruhigeren Abschnitten ab. Bemerkenswert ist ein längerer Teil in der Mitte, bei dem der Solopart nur mit den Füßen zu spielen ist und für dessen Komposition sich Barber von einem befreundeten Organisten beraten ließ. Die Uraufführung fand am 30. September 1960 mit dem Philadelphia Orchestra unter der Leitung von Eugene Ormandy statt. Solist war Paul Callaway, der als Organist vor allem das Musikleben in Washington prägte. Die neu eingeweihte Orgel war damals das größte transportable Instrument dieser Art und besaß über 4100 Pfeifen, 73 Register und drei Manuale. 

Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte die Reformationssinfonie ursprünglich als seine 2. Sinfonie, und zwar anlässlich des 300. Jubiläums der Augsburger Konfession. Aufgrund der politischen Unruhen durch die Juli-Revolution fanden diese Feiern 1830 jedoch nicht statt. So dirigierte Mendelssohn die Uraufführung erst zwei Jahre später in Berlin, nachdem auch Aufführungen in Leipzig und Paris nicht zustande kamen.
Die Augsburger Konfession des Luther-Vertrauten Philipp Melanchthon aus dem Jahr 1530 stellte ein grundlegendes Schlüsseldokument der Reformation dar und ist bis heute Glaubensgrundlage für die über 70 Millionen lutherischen Christen weltweit. Dem Entstehungsanlass entsprechend verfasste Mendelssohn seine viersätzige Sinfonie als ein deutliches Bekenntnis zum Protestantismus: Im ersten Satz erklingt eine feierliche, liturgische Sequenz, das sogenannte „Dresdner Amen“, das später Richard Wagner in seiner Oper „Parsifal“ als Gralsmotiv verwendete. Und Mendelssohns Schlusssatz rankt sich um den berühmten Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“. 
Kritiker bemängelten bei der Uraufführung, das Werk habe „zu viele Fugatos, zu wenig Melodie“. Und so arbeitete der Komponist die Sinfonie mehrmals um – wie so viele seiner Werke. 1838 schrieb er jedoch an seinen Freund Julius Rietz, den späteren Gewandhauskapellmeister: „Die Reformations-Sinfonie kann ich gar nicht mehr ausstehen, möchte sie lieber verbrennen als irgend eines meiner Stücke; soll niemals herauskommen.“ Rietz setzte sich dafür ein, dass die Sinfonie doch publiziert wurde: Sie erschien schließlich 1868 – 21 Jahre nach Mendelssohns Tod – und daher als seine 5. und letzte Sinfonie. 

Karten zu 16 € zzgl. VVK-Gebühr, Ermäßigung für Berechtigte an der Gewandhauskasse unter Tel. 0341/1270-280. Ermäßigung mit der KlassikMatch Card von Oper und Gewandhaus für alle unter 30