Foto: Gert Mothes
Sinfoniekonzerte
Freitag, 16.1.2026, 19.30 Uhr
Samstag, 17.1.2026, 19.30 Uhr, Grassistraße 8, Großer Saal
Sinfoniekonzerte
Hochschulsinfonieorchester
Hochschulchor
Leitung: Prof. Matthias Foremny/Tobias Löbner (17.1.)
Solisten:
Geonhyeok Lee (Violoncello, Klasse Prof. Peter Hörr/16.1.)
Xiaotang Xu (Violoncello, Meisterklasse Prof. Peter Bruns/17.1.)
Sara Wargbaner (Sopran, Klasse KS Prof. Roland Schubert)
Alexandra Beason (Sopran, Klasse Prof. Caroline Stein)
Programm:
Johannes Brahms (1833-1897): Nänie op. 82 für Chor und Orchester
Francis Poulenc (1899-1963): Gloria für Sopransolo, gemischten Chor und Orchester
Henri Dutilleux (1916-2013): „Tout un monde lointain“ – Konzert für Violoncello und Orchester
Igor Strawinsky (1882-1971): Suite zu „Der Feuervogel“ (1919)
Die von Klageweibern gesungenen Totenklagen im alten Rom hießen „Nenia“ – und so hatte Johannes Brahms sein Chorwerk „Nänie“ auch zunächst genannt. Im Januar 1880 war der Maler Anselm Feuerbach, mit dem der Komponist befreundet war, in Venedig gestorben. Brahms komponierte das 12-minütige „Nänie“ ab dem Frühjahr 1880 bis zum Sommer des Folgejahres, fragte jedoch erst 1882 Henriette Feuerbach, die Stiefmutter des Malers, ob er ihr sein Opus 82 im Andenken an ihren Sohn Anselm widmen dürfe.
Dem Chorwerk zugrunde liegt ein Text von Friedrich Schiller. „Nänie“ war in der römischen Mythologie die Göttin des Klagens und bewog den Dichter 1799 dazu, eine Trauerode auf das Vergehen zu schreiben. Zu Beginn heißt es: „Auch das Schöne muß sterben!“ Die Trauerode verfasste Schiller in sieben Distichen (Distichon = Hexameter + Pentameter), und sie wird von Brahms ähnlich streng im Aufbau durch Fugenkonstruktionen umgesetzt – nicht zuletzt auch deshalb, da Feuerbach als Maler sehr an Formbewusstsein gelegen war.
Brahms spendet in seinem Opus jedoch auch Hoffnung und Trost, ähnlich wie in seinem rund 10 Jahre früher entstandenen Werk „Ein deutsches Requiem“, und wiederholt deshalb – abweichend von der dichterischen Vorlage – am Schluss die vorletzte Gedichtzeile Schillers: „Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich“.
Die Uraufführung von Brahms’ „Nänie“ fand mit großem Erfolg im Dezember 1881 in Zürich statt.
Henri Dutilleux, der sich auch für Malerei und Dichtung interessierte, studierte von 1933 bis 1938 am Pariser Conservatoire, wo er u.a. Bekanntschaft mit (dem ebenfalls in diesen Konzerten zu hörenden) Francis Poulenc machte. Später arbeitete er als Pianist, Arrangeur, Chorleiter und beim französischen Rundfunk und wurde 1961 Kompositionsprofessor. Gar nicht anfreunden konnte er sich mit den Werken Arnold Schönbergs. Selbst seine eigenen Kompositionen, die er bis 1945 geschrieben hatte, ließ er nicht gelten, da er sie zu sehr von Maurice Ravel beeinflusst ansah.
Inspiration für sein Violoncellokonzert mit dem Titel „Tout un monde lointain“ („Eine ganz ferne Welt“) fand Dutilleux im Gedicht „Le chevelure“ („Das Haar“) aus dem Gedichtband „Les Fleures du Mal“ („Die Blumen des Bösen“) von Charles Baudelaire (1821-1867). Nach Erscheinen der Sammlung wurde der Dichter wegen Sittenwidrigkeit zu einer Geldstrafe verurteilt.
Dutilleux komponierte sein Opus für den russischen Cellisten und Dirigenten Mstislaw Rostropowitsch, der es 1970 in Aix-en-Provence aufführte. Eigentlich sollte Dutilleux 1967 anlässlich des 100. Todestages von Baudelaire ein Ballett komponieren, setzte den Auftrag aber nicht um. In die Partitur seines Cellokonzertes fügte er aber Verse des Dichters ein, ohne damit bei den insgesamt fünf Sätzen des Werks musikalisch-programmatische Hörvorgaben setzen zu wollen. Erkundet wird die Welt zwischen Realität und Traum, wobei dem Solisten ein großes Können abverlangt wird.
Auch Francis Poulenc, der 1899 in Paris geboren wurde und ebenda 1963 starb, hatte es als Komponist zunächst schwer. Als seriös galt er unter Kritikern erst, nachdem er sich 1935 dem Katholizismus zuwandte und sich dies auch in seinen Werken widerspiegelte.
Gegen Ende seines Lebens (zwischen Mai 1959 und Juni 1960) entstand sein „Gloria“ für Sopransolo, gemischten Chor und Orchester. Nachdem Poulencs zweite Oper „Dialogues des Carmélites“ 1957 sehr erfolgreich war, hatte die „Koussevitsky Foundation“ (benannt nach dem 1951 verstorbenen russischen Dirigenten und Komponisten Sergej Kussewizki) eine Sinfonie in Auftrag gegeben. Poulenc wollte aber ein „Gloria“ nach dem Vorbild des gleichnamigen Werkes von Vivaldi (RV 589) schreiben. Er saß bereits etwa einen Monat lang an seiner Komposition, als er in einem Brief auf die zahlreichen Todesfälle in seinem Freundeskreis innerhalb der letzten 10 Jahre verwies: „Jetzt ist es nötig, sich auf das Gloria zu richten. Genug Schmerz, genug Leidenschaft! Zugegeben, vom Stabat Mater an bis zur Voix Humaine war das Leben nicht zum Lachen, aber ich denke, dass all die schmerzlichen Erfahrungen zu meiner Bewährung nötig waren. Jetzt ist es genug, Friede! … Friede!“
Poulenc betitelte das ausgesprochen eingängige „Gloria“ als große Chorsinfonie in sechs Sätzen, wobei das Sopransolo in den ruhigeren Sätzen 3, 5 und 6 zu hören ist.
Zwecks eines größeren Werkumfangs war Poulenc gezwungen, den verwendeten lateinischen Messtext durch Wortwiederholungen auszuweiten und kommentierte das wie folgt: „Wiederholte Worte in jeder Hinsicht. Das Latein erlaubt diese Art von Endlosmakkaroni.“ Auffällig ist insgesamt seine französisierte Vertonung des Lateins, indem oft die Endsilben betont werden.
Gegenüber dem Dirigenten Charles Munch, der das Werk 1961 in Boston uraufführte, äußerte Poulenc selbst: „Trotz meiner 61 Jahre glaube ich, daß es ein recht junges Werk ist.“
Igor Strawinsky arbeitete sein 1910 uraufgeführtes Ballett „Der Feuervogel“, durch das er schlagartig weltberühmt wurde, 1911, 1919 und 1945 zu Orchestersuiten um (an diesen zwei Abenden erklingt die 2. Fassung). Frei nach einem Märchen von Alexander Afanasjew befinden sich im Garten des russischen Zauberers Kaschtschej ein Baum mit goldenen Früchten und der glitzernde Feuervogel. Thronfolger Iwan Zarewitsch kann den Vogel fangen. Der Feuervogel verspricht ihm dafür, immer behilflich zu sein ...
Karten zu 13 €, ermäßigt 8,50 €, HMT-Studierende 3 € unter Tel. 0341/2144-615 (Mo-Fr 13-15 Uhr) und unter www.reservix.de