
Dramaturgie Forschung
Prof. Dr. habil. Barbara Büscher
Dr. Franz Anton Cramer
Kollaborative
Archivprozesse
Vier Kuratorische Salons
gefördert durch die VolkswagenStitung

ÜBER DAS PROJEKT
Ein Projekt zur Wissenschaftskommunikation
Anhand der Ergebnisse aus unserer bisherigen Forschung zu subversiven Archivpraktiken im Feld der Aufführungskünste wollen wir Überlegungen zu Ansätzen für eine „infrastructure of care“ entwickeln, einer tragenden Struktur für Nachhaltigkeit und pflegenden Umgang mit ephemeren Wissensstrukturen. Dazu laden wir in vier Städten zu kuratorischen Salons ein.
Die Salons sind community-orientiert und richten sich an institutionelle Vertreter:innen, interessiertes Publikum, selbständige Kulturschaffende, Kurator:innen aus dem Bereich der Aufführungskünste. Die Veranstaltungen umfassen verabredete Beiträge, künstlerische Interventionen und offene Gespräche. Es geht darum, Bewusstsein für die übergeordnete Bedeutung archivarischer Arbeit zu schaffen, weil ein Großteil des Wissens, welches in den aufführungs- und zeitbasierten Künsten vorliegt, prozessualer Art ist. Die wachsende Zahl an Initiativen zu eigenständigen, selbstbestimmten und proaktiven Archivierungsplattformen wie auch die Vielfalt künstlerischer Arbeitsformen und kuratorischer Prozesse sind eine Ressource, die es zu exponieren gilt. Mit den kuratorischen Salons tragen wir zu dieser Sichtbarkeit bei, indem wir den Adressat:innen einen strukturierten Dialog und spezifische Kommunikationstools anbieten, um das gemeinsame Feld zu verstehen, die eigene Rolle darin zu formulieren und sich in ihm strategisch zu bewegen. Das erhöht das Potential, Wissen zu bewahren, weiterzugeben und Archivierung als Teil des Kunstschaffens zu verankern.
Projekt-Laufzeit: 1. August 2026 bis 31. Juli 2027
Das Projekt veranstaltet vier Gesprächsrunden in vier Städten mit lokalen Partnerorganisationen:
Dresden
27. November 2026, 14 bis 18 Uhr, Hellerau — Europäisches Zentrum der Künste
Hellerau, Dresdner Szenen und die 1990er Jahre. Sammlungen und wilde Archive
Das Festspielhaus Hellerau wurde nach den Jahren der militärischen Nutzungen zu Beginn der 1990er Jahre ein Ort, an dem gemeinsame Aktivitäten – Programme, Performances, Ausstellungen, Festivals aller Sparten – von Künstler*innen, Kurator*innen und Architekt*innen initiiert wurden, um eine erneute kulturelle Perspektive und fundierte Konzeptionen zu finden. Internationale Verbindungen und die Integration von Ost und West in den Programmen zeigten Energien, die sich mit anderen Aufbrüchen in Dresden der 1990er Jahren (und kurz davor) verbinden lassen. Diese Szenen, die für die kulturelle Geschichte der Stadt nach 1989 eine große Bedeutung haben, sind in vielen privaten und unerschlossenen Presse- u.ä. Sammlungen dokumentiert. Was bleibt und wie relevant sind diese Sammlungen für die Gegenwart? Was erzählen sie über Bedingungen der Transformation und die Verschränkungen verschiedener Handlungsfelder in dieser Zeit und die Offenheit der Akteur*innen? Wie können diese Sammlungen zu einem oder mehreren Archiven erschlossen und vernetzt werden?
Der Salon will zu einem Mapping der entstandenen privaten oder semi-öffentlichen Sammlungen anregen und Argumente, Ideen und Vorschläge sammeln, wie dieses Wissen gebündelt und langfristig zugänglich gemacht werden könnte.
freier Eintritt, Anmeldung erbeten unter franz-anton.cramer@hmt-leipzig.de
Oberhausen
29. Januar 2026, 15 bis 18 Uhr, KUNSTHAUS MITTE in Oberhausen
Kultivieren, Kuratieren, Archivieren — Was brauchen die Menschen in der Zukunft ?
Kuratieren im Kontext lokal verankerter künstlerischer Arbeit bedeutet vor allem, Verantwortung für die zeitliche Dimension zu übernehmen und in einer Geste der Fürsorge Entwicklungen, Prozesse, Ergebnisse und Ideen zu sammeln, aufzubewahren und für zukünftige Zwecke nutzbar zu machen.
In allen Phasen dieses Kreislaufs bleiben Fehlstellen und Mängel, die sich besonders auf die Dauer beziehen. Um sorgfältig und dauerhaft Archive künstlerischer Arbeit anzulegen, braucht es Finanzierung und eine funktionierende Struktur; in der projektbasierten Förderlogik ist das normalerweise nicht gegeben.
Wie könnte vor diesem Hintergrund, und auch angesichts der immer knapper werdenden Ressourcen für Kunst und Kultur, ein nachhaltiger und von Sorgfalt ebenso wie Langfristigkeit geprägter Umgang mit kuratorischem, künstlerischem und sozialem Wissen aussehen? Welches wären Rahmenbedingungen und Modelle? Besteht an einer solchen Auseinandersetzung Interesse im erweiterten Feld von Politik, Kulturarbeit und künstlerischer Tätigkeit?
freier Eintritt
Berlin
März 2027, genauer Termin noch nicht festgelegt, nGbK — neue Gesellschaft für bildende Kunst
München
24. und 25. April 2027, Ort tba,
CHAKKARs – Moving Interventions
Barbara Büscher and Franz Anton Cramer have cooperated since 2006, formulating questions and developing methods and formats to interweave their individual disciplinary perspectives: media studies, performance studies; dance studies, archival theory and philology, respectively. Since 2009, in cooperation with scholars, curators and artists, they have regularly published the online journal MAP media | archive | performance (www.perfomap.de). The journal’s contributors come from various academic and artistic disciplines and their articles are seen as an important contribution to research in the field. The use of digital, freely accessible forms of publication has always been a vital element of our strictly inter- and transdisciplinary research and publishing activity. Recent publications include:
- Bewegen, Aufzeichnen, Aufheben, Ausstellen: Archivprozesse der Aufführungskünste. Ein Arbeitsbuch. Leipzig: Qucosa 2021; DOI: https://doi.org/10.25366/2022.2. (Barbara Büscher and Franz Anton Cramer).
- Barbara Büscher 2023. „Books as Archive of Performance Art and Source Material of Its History“ In Reconstructing Performance Art. Tancredi Gusman (ed.).
- Materialities in Dance and Performance: Writing, Documenting, Archiving. 2024. Bielefeld: transcript (Franz Anton Cramer, and Gabriele Klein, eds.).
- Franz Anton Cramer 2024. „Written Artefacts in Performance, Writing as Performance: Origination and Dissemination”. manuscriptcultures 21, 224–232.
- Barbara Büscher 2025. „Performance art in the museum since the 2000s: Key issues, curatorial decisions, exhibition constellations“ In Arabeschi. International journal of studies on literature and visuality, no. 25.
- Relational Acts. Performance Practices and Media of Documentation. 2026, Berlin: De Gruyter. (Barbara Büscher, Franz Anton Cramer, and Ulrike Hanstein, eds.).
Prof. Dr. habil. Barbara Büscher: barbara.buescher@hmt-leipzig.de
Dr. Franz Anton Cramer: franz-anton.cramer@hmt-leipzig.de
