Nachruf Prof. Dietmar Nawroth
Zum Tod von Prof. Dietmar Nawroth (1955 - 2026)
Die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ hat einen großen Verlust zu beklagen: völlig unerwartet verstarb unser langjähriger Kollege Prof. Dietmar Nawroth am 27.06.2026. Er hinterlässt besonders in der Fachrichtung Klavier/Dirigieren, deren Mitglied er seit 1980 war, eine schmerzhaft spürbare Lücke.
Dietmar Nawroth wurde in Reichenbach/Vogtland geboren und erhielt seinen ersten Klavierunterricht bei Günter Pistorius. Seinem von 1971 bis 1978 währenden Studium an der Leipziger Hochschule in der Klasse von Prof. Günter Kootz schloss sich ein Zusatzstudienaufenthalt am Moskauer Gnessin-Institut bei Alexander A. Alexandrow an. Im Anschluss führte ihn eine Aspirantur zurück an die Leipziger Hochschule, an der er 1992 zum Professor für Klavier berufen wurde.
Dietmar Nawroth errang 1976 den 3. Preis beim V. Internationalen Bach-Wettbewerb Leipzig und war Preisträger des Internationalen Beethoven-Wettbewerbs in Wien. Zahlreiche Konzerte führten ihn bis zuletzt als Solist, Kammermusikpartner und Liedbegleiter in zahlreiche deutsche und europäische Städte sowie nach Asien. Er war ein gefragter Juror bei nationalen wie internationalen Wettbewerben und gab Meisterkurse im In- und Ausland. Besonders am Herzen lag ihm die Förderung des musikalischen Nachwuchses, davon zeugt nicht zuletzt sein immer währender Einsatz in den verschiedensten Jury-Formaten des Wettbewerbs „Jugend musiziert“.
Gerade die Pflege der großen musikalischen Tradition Leipzigs lag ihm stets am Herzen: Dietmar Nawroth war aktives Vorstandsmitglied in der Carl-Reinecke-Gesellschaft wie auch in der Neuen Leipziger Chopin-Gesellschaft, zu deren Gründungsmitgliedern er ebenfalls zählte. Zudem war er von 2012 bis 2018 Vorsitzender der Zwickauer Robert-Schumann-Gesellschaft.
Unvergessen ist seine in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig gestaltete Konzertreihe „Das unbekannte Tagwerk der Romantik“, in der viele bis dahin nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Werke erstmals erklangen. Auch der nachhaltigen Pflege des umfangreichen Oeuvres von Carl Reinecke widmete er sich mit Hingabe.
Bis zuletzt unterrichtete Prof. Nawroth nach seiner Emeritierung im Lehrauftrag aus unserer Hochschule. Eine fast unüberschaubare Zahl an Studentinnen und Studenten wurde durch seine hingebungsvoll-intensive Art des Unterrichtens geprägt und erinnert sich genauso wie wir an einen Kollegen, der mit seiner stets von hohen Idealen geprägten Lehrtätigkeit Maßstäbe an Tiefsinn, Seriosität, Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft setzte. Nie war ihm eine Arbeit zu viel oder unwillkommen, stets widmete er sich den talentiertesten unter seinen Schützlingen mit der gleichen Hingabe wie allen anderen ihm Anvertrauten. Freunde, die das Glück hatten, ihn länger und näher zu kennen, berichten von seinem mitreißenden Humor und seinem profunden Wissen über historische Zusammenhänge wie Ereignisse; seine sich hier äußernde tiefe Menschlichkeit ließ niemanden unberührt.
Wir werden Dietmar Nawroth stets ein ehrenhaftes Gedenken bewahren und danken ihm an dieser Stelle für sein treues Verbundensein und Wirken an unserem Haus.
Prof. Gerald Fauth
Rektor